„Integration jahrelang ihre Herzenssache“ – Artikel im Südhessen Morgen

EHRENAMT: Lampertheimer Lebenshilfe verabschiedet Erich Thomas und Edmund Dautenheimer nach Jahrzehnten im Vorstand

Von Jürgen Klotz

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Edmund Dautenheimer (links) und Erich Thomas konnten sich zum Abschied aus dem Vereinsvorstand gleich über mehrere Auszeichnungen freuen Foto: JKL

LAMPERTHEIM. Was die Kontinuität in der Vereinsführung angeht, hat die Lampertheimer Lebenshilfe wahrlich Maßstäbe gesetzt. Bevor Günther Baus am Samstag zu seinem Nachfolger gewählt wurde, war Erich Thomas über 26 Jahre lang Erster Vorsitzender des Vereins, der sich die Förderung behinderter Menschen auf die Fahne geschrieben hat. Noch um einiges länger war der Zweite Vorsitzende im Amt. Gründungsmitglied Edmund Dautenheimer engagierte sich 44 Jahre lang in seiner Position für die Belange der zur Lebenshilfe gehörenden Frühförderstelle und des Kindergartens Schwalbennest.

So war es kein Wunder, dass der Verein die Scheidenden nicht einfach ziehen ließ. Direkt im Anschluss an die Jahreshauptversammlung richtete er in der Notkirche einen Festakt zur feierlichen Verabschiedung aus. Nach musikalischem Beginn war es am neuen Ersten Vorsitzenden, das Fest zu eröffnen.

200 Gäste in der Notkirche

 „Wie ehrt man in angemessener Weise zwei Personen, die über Jahrzehnte hinweg das Bild der Lebenshilfe geprägt haben?“, fragte Baus vor knapp 200 Gästen, unter ihnen zahlreiche Repräsentanten der regionalen Politik. Er schlug einen Bogen in die Vergangenheit. Er selbst sei in den 70er Jahren aufgewachsen. Damals sei das Thema Behinderung kaum sichtbar gewesen. Um behinderte Menschen habe man einen Bogen gemacht und die Gesellschaft sei von einer großen Unsicherheit gegenüber dieser Thematik gekennzeichnet gewesen. Dass sich das im Laufe der Jahre geändert habe, läge an Menschen wie Thomas und Dautenheimer, die die Problematik der Inklusion behinderter Menschen mit nicht nachlassendem Einsatz im Bewusstsein der Menschen verankert hätten.

Für ihn persönlich habe das Jahr 2006 einen grundlegenden Einschnitt bedeutet. In diesem Jahr kam Baus Sohn Marvin zur Welt – mit Downsyndrom. Günther Baus: „Die Gesellschaft hat uns offen aufgenommen.“ In vielen Ländern sei dies heute noch undenkbar. Er bat die Mitglieder um einen Vertrauensvorschuss, um die Lebenshilfe erfolgreich und im Sinne von Erich Thomas und Edmund Dautenheimer fortzuführen.

Lieder zum Abschied

Erzieherinnen und Kinder des Schwalbennests verabschiedeten die beiden abgetretenen Vorstände mit den Liedern „Wir suchen einen Schatz“ und „Das Lied ist nun zu Ende“. Danach erfuhren Thomas und Dautenheimer gleich mehrere Ehrungen. Den Anfang machte die Bundesgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Lebenshilfe, Jeanne Nicklas-Faust. Für ihre Verdienste zeichnete sie das langjährige Führungsduo mit der goldenen Ehrennadel der Lebenshilfe aus. Landrat Matthias Wilkes überreichte jedem einen Ehrenbrief des Landes Hessen.

Danach überreichten Bürgermeister Erich Maier und Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass im Namen der Stadtverordnetenversammlung Thomas und Dautenheimer für ihre „herausragende Arbeit im Dienste der behinderten Kinder“ die silberne Stadtplakette.

Erich Thomas und Edmund Dautenheimer verhehlten nicht ihren Stolz auf all diese Auszeichnungen, sie gaben den Dank aber weiter an all die Personen, die ihnen im Laufe der langen Zeit bei der Ausübung ihrer Arbeit geholfen haben. Die Stadt selbst habe für die Anliegen der Lebenshilfe immer offene Ohren gehabt, Gleiches gelte für den Kreis Bergstraße.

„Hinter jedem starken Mann steht auch immer eine starke Frau“, erhielten Melitta Dautenheimer und Karin Thomas den Dank ihrer Ehemänner und einen großen Blumenstrauß.

Nachdem sich Kitaleiterin Pia Münch-Schmitz und die Leiterin der Frühförderstelle, Susanne Bürkelbach, sowie der Elternbeirat, vertreten durch Barbara Hofmann und Claudia Uebach, verabschiedet hatten, wurde es zum Schluss wieder musikalisch. Der Männergesangsverein Sängerbund-Sängerrose gab „Mala moja“ und „Im Weinparadies“ zum Besten, danach begann der gesellige Teil der Versammlung und Verabschiedung.


Quelle: Südhessen Morgen vom 17.06.2013