„Mit dem Herzen am richtigen Fleck: Lampertheimer Lebenshilfe verabschiedet Erich Thomas und Edmund Dautenheimer“ – Artikel in der Lampertheimer Zeitung

FEIERSTUNDE Erich Thomas und Edmund Dautenheimer verabschieden sich von der Lebenshilfe

Von Tessa Asel-Lieske

Lampertheim Lokales / Verabschiedung Vorstand Lebenshilfe, Notkirche, Römerstraße, Lampertheim/nk

Zwei Männer, die viel bewegt haben: Edmund Dautenheimer (oben links) und Erich Thomas werden mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht.
Fotos: AfP Asel

„Wir haben doch unsere Pflicht getan und wussten bis heute nicht, dass wir so ehrwürdig sind“ – bescheidene Worte eines von zwei Männern, die am Samstagnachmittag im Vordergrund standen. Erich Thomas, Erster Vorsitzender der Lampertheimer Lebenshilfe, und Edmund Dautenheimer, Zweiter Vorsitzender, wurden im Rahmen einer Feierstunde in der Notkirche aus ihren Ämtern verabschiedet.

„Wie ehrt man in angemessener Weise zwei Personen, die über Jahrzehnte hinweg das Bild der Lebenshilfe hier in Lampertheim und Umgebung geprägt haben?“, Günther Baus stellte in seiner Begrüßung eine durchaus berechtigte Frage, deren Antwort alle Laudatoren auf ihre Art zu meistern wussten. So stellte der neue Vorsitzende die Entwicklung in der Gesellschaft mit dem Thema Behinderung im Laufe der letzten Jahrzehnte dar und drückte, als betroffener Vater, seinen tief empfundenen Respekt und Dank für einen offenen Umgang aus. Mit der Vorstellung des neu gewählten Vorstandes und dem Versprechen, die Arbeit im Sinne von Edmund Dautenheimer und Erich Thomas weiterzuführen, schloss er seine Rede.

Die Bundesgeschäftsfüherin des Bundesverbandes der Lebenshilfe, Prof. Dr. Jeanne Nicklas-Faust, legte den Fokus ihrer Ansprache auf die Familie. Diese sei der Kern der Lebenshilfe, es gehörten eben alle dazu – und Brücken bauen sei deren Aufgabe. So könne Inklusion nicht als Sparmodell funktionieren, Mut und Engagement seien die Voraussetzungen dafür, dass Menschen sowohl mit als auch ohne Behinderung miteinander leben können. Erich Thomas habe die Sache des Vereins zu seiner eigenen gemacht und Edmund Dautenheimer habe viel Energie und Herzblut in die Aufbauarbeit gesteckt – stets angetrieben durch Nächstenliebe. Beide Männer wurden für ihre „hervorragenden Leistungen und ihr beispielhaftes Wirken“ mit der Goldenen Ehrennadel der Lebenshilfe ausgezeichnet.

Nächstenliebe

„Sie sind ein strahlendes Vorbild für uneigennützige Nächstenliebe und eine besondere Nähe zu Menschen, die hilfsbedürftig sind, vor allem für Kinder“, richtete Landrat Matthias Wilkes seine Worte zunächst an Dautenheimer. Er dankte für alles, was der 78-Jährige in fast fünf Jahrzehnten geleistet habe – immer mit dem Herz am richtigen Fleck. Thomas habe dazu beigetragen, dass diese Gesellschaft menschlicher geworden sei. Er sei es gewesen, der die ersten Gehversuche der Behindertenhilfe in Lampertheim ins Leben gerufen habe. Auch vom Landrat wurden die Jubilare mit einer besonderen Auszeichnung bedacht: dem Ehrenbrief des Landes Hessen, der höchsten Auszeichnung für das Ehrenamt.

Bürgermeister Erich Maier und Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass konnten sich allen Vorrednern nur anschließen und die ausscheidenden Vorsitzenden ebenfalls auszeichnen: Aufgrund des einstimmigen Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung im April erhielten Erich Thomas und Edmund Dautenheimer die Silberne Stadtplakette für besondere Verdienste.

Dass „schöner, schneller, weiter“ nicht alles ist und dass zwei „tolle Männer“ genau das umgesetzt haben, würdigte Bundestagsabgeordnete Christine Lambrecht und Landtagsabgeordneter Alexander Bauer versprach den Nachfolgern, als Brückenbauer nach Wiesbaden zu fungieren. Susanne Bürkelbach, Leiterin der Frühförderstelle, und Pia Münch-Schmitz, Leiterin der Kita Schwalbennest, dankten beiden Männern mit einem Gedicht und einer ganz eigenen Namesforschung. Dem „Ehrenmann“ Erich bescheinigten sie eine „herausragende Persönlichkeit“ und wünschten dem scheidenden Kapitän „ganz viel Rückenwind“.

Bescheidenheit

Dafür, dass er stets die Richtung gezeigt und den Kurs bestimmt habe, dankten ebenfalls zwei Vertreterinnen des Elternbeirates.

Und so standen am Ende der Feierstunde zwei Männer auf der Bühne, die trotz aller Ehrungen, Auszeichnungen und Lobpreisungen ihre Bescheidenheit nicht ablegen wollten. Edmund Dautenheimer verabschiedete sich am Samstag nach 46 Jahren und Erich Thomas nach 26 Jahren von ihren unermüdlichen Einsätzen von der Lampertheimer Lebenshilfe in ihrer gewohnten Weise: für die Sache: „Es gibt noch verdammt viel zu tun. Und das muss getan werden“, forderten sie ihr Publikum auf. „Zwei Individualisten allein hätten das nicht geschafft“, sagte Erich Thomas und dankte allen Gründungsmitgliedern der Lampertheimer Lebenshilfe – ebenso wie den Gönnern des Vereins und nicht zuletzt seinem „Püppchen“. Denn wie im Vorfeld bereits öfters angesprochen, steht hinter einem erfolgreichen Mann eine starke Frau an seiner Seite: seine Frau Karin ebenso wie Melitta Dautenheimer hinter ihrem Gatten.

Musikalisch untermalt wurde die Feierstunde von den Kindergartenkindern des Schwalbennestes und der Chorgemeinschaft MGV Cäcilia / Sängerrose: Während die Kleinen mit „Keinem Rabatz“ den beiden Männern noch einmal kräftig zuwinkten, ließen die Sänger ihre Vereinskollegen als allerletzten Gruß des Lebenshilfeabschieds „Hoch Leben“.

Ehrengäste

Bundesgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Lebenshilfe Prof. Dr. Jeanne Nicklas-Faust, Bundestagsabgeordnete Christine Lambrecht, Vorstandsmitglied des hessischen Landesverbandes Markus Liebendörfer, Landtagsabgeordneter Alexander Bauer, Geschäftsführer der Behindertenhilfe Bergstraße Christian Dreiss, Landrat Matthias Wilkes, Vorsitzender der Lebenshilfe Robert Miltner, Bürgermeister Erich Maier, Erster Stadtrat Jens Klingler, Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass, Gründungsmitglied der Lampertheimer Lebenshilfe Anita Sellmann und Hans Schlatter, ehemaliges Vorstandsmitglied Kerstin Koulis, Ehrenvorsitzender Erich Thomas, Gründungs-Ehrenmitglied Edmund Dautenheimer sowie alle Mitglieder, Mitarbeiter und Elternbeirat der Kita Schwalbennest.

Quelle: Lampertheimer Zeitung vom 17.06.2013