„Behindert, aber mittendrin“ – Artikel im Südhessen Morgen

PÄDAGOGIK: Projekt „Lebenshilfe Lampertheim inklusiv“ soll Früchte tragen

Von Jürgen Klotz

LAMPERTHEIM. Die Lebenshilfe richtet ihren Blick auf einen neuen Schwerpunkt: die Inklusion behinderter Menschen. Inklusion bedeutet die Wertschätzung und Anerkennung von Vielfalt. In Bezug auf das aktuelle pädagogische System meint sie die Einbeziehung von Menschen mit Behinderung in den normalen Tagesablauf von Schulen oder Kindergärten. In einem Pressegespräch stellte der vor drei Monaten ins Amt gewählte Vorstand um den Vorsitzenden Günther Baus und den zweiten Vorsitzenden Hugo Kern die Inhalte des Projektes „Lebenshilfe Lampertheim inklusiv“ vor.

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Das Projektteam Inklusion der Lebenshilfe (von links): Rike Schork, Michael Habeck, Veronika Hempler und Juliane Heinz. Bild: JKL

„Alle gehören dazu, so wie sie sind“, brachte es Sozialpädagoge Michael Habeck auf einen Nenner. Er ist der Leiter des Projektteams, zu dem die sozialpädagogischen Fachkräfte Rike Schork, Juliane Heinz, Veronika Hempler und Gabi Jäger gehören. Für die Schirmherrschaft konnte Landrat Matthias Wilkes gewonnen werden.

Die derzeitige Situation skizzierte Baus als nicht zufriedenstellend. Obwohl bereits 2006 von der UNO im Rahmen der Behindertenrechtskonvention verabschiedet, habe sich auf diesem Gebiet noch nicht viel getan. Es gebe diesbezüglich keine einheitlichen Unterrichtsansätze, kaum Weiterbildungsmöglichkeiten für Lehrer und keine Beratungskonzepte für Eltern. Dies möchte die Lebenshilfe nun ändern.

Im zum Verein gehörenden Kindergarten Schwalbennest werde Inklusion zwar „intuitiv gelebt“, nun möchte man sich aber pädagogisch fundierten Konzepten widmen. Ziel sei es, die Lebenshilfe Lampertheim zu einem Kompetenzzentrum für dieses Thema weiterzuentwickeln. Dies beinhaltet „eine professionelle Beratung vor allem für Eltern zu den Möglichkeiten der schulischen Inklusion, zur Rechtslage und zum Prozess“.

Weiterhin sollen inklusive Schulmethoden methodisch ausgearbeitet werden und in der Vorschulgruppe der Kita zu Anwendung kommen. Überdies möchten die Verantwortlichen ein Netzwerk schaffen, das Hospitationen von Grundschullehrern oder Erziehern an einschlägigen Institutionen ermöglicht.

Bis zum Projektabschluss – angedacht für September 2014 – wartet noch viel Arbeit auf die Beteiligten. Alle Mitarbeiter von Kindergarten und Frühförderstelle werden Weiterbildungen besuchen, um die Grundlagen, die rechtliche Situation und die Praxis in Schulen kennenzulernen. Das Projektteam muss abgesehen von diesen Fortbildungen bei bereits bestehenden Inklusionsklassen hospitieren und helfen, das dort Gelernte auf die Vorschulgruppe zu übertragen. Zu guter Letzt erfolgt die Überführung der neuen Richtlinien in den regulären Kita- und Beratungsbetrieb und die offizielle Vorstellung des „Kompetenzzentrums Inklusion Lampertheim“.

Baus äußerte sich optimistisch, den Zeitplan einhalten und die Thematik ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken zu können. Dankbar wäre er für finanzielle Unterstützung, denn „das alles wird viel Geld kosten.“ Trotzdem gebe es kein Zurück: „Die Zeit ist reif, die Inklusion behinderter Menschen in unserer Region auf ein neues Niveau zu heben.“


Quelle: Südhessen Morgen vom 16. September 2013