„Glücksfall für Lampertheim“ – Artikel im Südhessen Morgen

Lebenshilfe: Neues Projekt soll helfen, behinderte Menschen besser in den Alltag von Schulen und Kindergärten einzubinden

Von Jürgen Klotz

LAMPERTHEIM. Die Lebenshilfe brachte gestern ein neues Projekt auf den Weg: „Lebenshilfe Lampertheim inklusiv“ soll neue Maßstäbe setzen, wenn es darum geht, behinderte Menschen besser in den Alltag von Schulen und Kindergärten mit einzubeziehen.

Monatelang vorbereitet, gab es nun den Startschuss für die Aktion, die unter der Schirmherrschaft von Landrat Matthias Wilkes steht. Zahlreiche Vertreter der lokalen Politik, von Schulen, Kindergärten und Einrichtungen für Behinderte wohnten der Feierstunde im Turnraum der Kindertagesstätte Schwalbennest bei.

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Die Kinder vom „Schwalbennest“ der Lampertheimer Lebenshilfe reißen eine Mauer ein. Sie stehen für eine gelungene Integration von behinderten Menschen in den Alltag von Schulen und Kindergärten. Bild: JKL

Günther Baus, Erster Vorsitzender der Lebenshilfe Lampertheim und Ried, sagte in seiner Begrüßung, dass es „uns immer klar war, dass wir das Projekt und die Folgeaktivitäten nicht alleine stemmen können“. Die Stadt Lampertheim und die Behindertenhilfe Bergstraße nannte er als wichtige Kooperationspartner. Der Mathematiker lieferte eine seinem Berufsstand angemessene Definition von Inklusion: „Inklusion ist eine Funktion, die eine Teilmenge in ihre Grundmenge einbettet.“ Die Organisatoren müssten sich ab sofort um vielschichtige Aufgaben kümmern. Man möchte sich zu einem Kompetenzzentrum für dieses Thema weiterentwickeln, sagte Michael Habeck, der Leiter von „Lebenshilfe Lampertheim inklusiv“. Verantwortlich dafür ist ein Team, dem neben Habeck noch die sozialpädagogischen Fachkräfte Juliane Heinz, Rike Schork, Veronika Hempler und Gabi Jäger angehören.

Professionelle Beratung für Eltern in Bezug auf die schulischen und rechtlichen Möglichkeiten gehört dazu, ebenso die Ausarbeitung einer momentan noch nicht vorhandenen Methodik in Bezug auf das Miteinander in Kindergarten und Schule. Im September 2014 soll alles stehen. Bis dahin werden Mitarbeiter der Frühförderstelle und des Kindergartens Schwalbennest Weiterbildungen besuchen und in bereits bestehenden Inklusionsklassen hospitieren. Am Ende steht die Übertragung der Richtlinien in den regulären Kita- und Beratungsbetrieb.

Landrat Wilkes, in Personalunion Aufsichtsratvorsitzender der Behindertenhilfe Bergstraße, nannte das Engagement einen „Glücksfall für Lampertheim“ und „eine Chance für das Gemeinwesen, Lampertheim ein neues Gesicht zu geben“. Inklusion solle so früh wie möglich selbstverständlich gemacht werden. Der Ansatz, damit in Kindergärten und Grundschulen zu beginnen, sei genau der richtige. Es entspräche dem Esprit der Lebenshilfe, dass Ehrenamtliche als Motor für den Antrieb und die Motivation der hauptamtlich Beschäftigten fungierten. Erster Stadtrat Jens Klingler bezeichnete es als „traurig, dass das Land so lange gebraucht hat, sich dieses Themas anzunehmen“ und versicherte Baus der einhundertprozentigen Unterstützung durch die Stadt“. Menschen mit Handicap dürfen nicht länger als Belastung angesehen werden, lautete der Tenor der Redner. Habeck: „Wir sind auf dem Weg und alle sind eingeladen, mit uns zu kommen.“ Dann rissen Wilkes, Klingler, Baus und Habeck symbolisch gemeinsam eine Mauer ein. Das Lied „Wir sind anders – na und“, gesungen von einer Gruppe von Kindern und ein Umtrunk beendeten das Treffen.


Quelle: Südhessen Morgen vom 9. November 2013