„Denn es kann jeden treffen“ – Artikel in der Lampertheimer Zeitung

Von Oliver Lohmann

BEHINDERUNG Lebenshilfe schließt Projekt „Lampertheim inklusiv“ ab / Viele Ideen sollen umgesetzt werden

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Der für alle offene Schwalbennest-Chor sang zur Feier des Tages. Foto: AfP Asel

LAMPERTHEIM – Die Lebenshilfe Lampertheim und Ried hat sich seit November 2013 intensiv mit der Einbindung von behinderten Menschen in die Gesellschaft beschäftigt – das Projekt „Lampertheim inklusiv“ ist jetzt beendet. Am Mittwoch wurden die Ergebnisse des Projekts und ein Folgevorhaben vorgestellt. Zugleich erhielt der Lebenshilfe-Kindergarten einen veränderten Namen: Inklusive Kindertagesstätte Schwalbennest.

Für den Lebenshilfe-Vorsitzenden Günther Baus war der Mittwoch ein besonderer Tag, ein „Meilenstein“. Denn der Abschluss des Projekts „Lampertheim inkulsiv“ stehe für eine engere Zusammenarbeit der beiden Lebenshilfe-Einrichtungen Kita und Frühförderstelle sowie eine bessere Vernetzung dieser mit zahlreichen anderen Institutionen im Kreis Bergstraße. Baus dankte dem Projektteam für das große Engagement und den Idealismus.

Der stellvertretende Landrat Matthias Schimpf gratulierte der Lebenshilfe, dass es gelungen sei, das Projekt zu einem erfolgreichen Ende zu bringen. Das Lampertheimer Projekt könne modellhaft für die anderen Kreis-Regionen sein. „Jeder kann von Behinderung betroffen sein. Daher müssen wir Sorge dafür tragen, dass eine Teilhabe an der Gesellschaft für alle möglich ist“, befand Schimpf. Inklusion müsse gelebt werden, politische Absichtserklärungen brächten wenig. Der Kreisbeigeordnete bezeichnete Günter Baus als einen der „Brückenköpfe“ in der Kreisteilhabekonferenz, da er stets ehrliche und höfliche Kritik äußere. Bürgermeister Gottfried Störmer betonte, Lampertheim müsse für alle liebens- und lebenswert sein. Daher sei es eine Aufgabe für Politik und Verwaltung, denjenigen Hilfestellung zu geben, für die Teilhabe an der Gesellschaft nicht so leicht ist. „Ich bin froh, dass es die Lebenshilfe hier gibt. Diese berät und unterstützt uns“, so Störmer.

Projektleiter Michael Habeck dankte seinen Kollegen im Team, die mit großem Einsatz mitgewirkt hätten. Er erinnerte an Fortbildungen, Workshops und Hospitationen in mehreren Schulen, bei denen man sich mit allen Aspekten von Inklusion vertraut gemacht habe. Habecks Projektkollegen Gabi Jäger, Anja Reischert und Raffael Hebig betonten, sie hätten von all dem profitiert, könnten Neues in den Arbeitsalltag einfließen lassen. Sie präsentierten ein neues Faltblatt, das über die Angebote der Kita Schwalbennest und der Frühförderstelle informiert.

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Der neue Lebenshilfe-Mitarbeiter Raffael Hebig half beim Enthüllen der neuen Schrifttafel an der Kita Schwalbennest. Foto: AfP Asel

Mit der Biedensandschule besteht bereits ein Kooperationsvertrag, ein weiterer soll mit der Stadt Lampertheim geschlossen werden. Es soll darum gehen, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren, denn: „Es ist in Lampertheim noch nicht selbstverständlich, dass Behinderte durch die Innenstadt laufen.“ Gedacht werde auch an eine Plakette für behindertengerechte Gaststätten und Geschäfte. Weiter regte Baus ein Internetportal an, wo man sich in leichter Sprache über das örtliche Vereinsleben informieren könne. Gefördert werden könnten inklusive Veranstaltungen und die Schaffung behindertengerechten Wohnraums. Außerdem gelte es, den öffentlichen Personennahverkehr in Lampertheim zu verbessern, um Behinderten die Mobilität zu ermöglichen. Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung sollten im Umgang mit Behinderten geschult werden, erläuterte Günther Baus. Auch ein Behindertenwegweiser könnte erstellt werden. Des Weiteren bringe sich die Lebenshilfe beim Aufbau eines Behindertenbeirats mit ein.

Neben diesen Plänen für Lampertheim möchte die Lebenshilfe noch ein zweites Inklusionsprojekt angehen, das vielleicht auch auf die Kreisebene ausgedehnt werden könnte. Baus berichtete, es werde bei der Aktion Mensch ein Antrag auf Unterstützung des Projekts gestellt, um eine neue Stelle zu schaffen. Im Mittelpunkt des Projekts soll die Netzwerkarbeit stehen. Sollte die Aktion Mensch keine Finanzspritze geben, werde das Projekt trotzdem ab dem kommenden Jahr angegangen, wenn auch eingeschränkt.

Zum Abschluss der kleinen Feierstunde am Ende des ersten Inkusionsprojekts wurde die neue Schrifttafel vor der Kita enthüllt. Jetzt ist das Schwalbennest auch im Namen inklusiv.


Quelle: Lampertheimer Zeitung vom 07.05.2015